Sustain & Ansprache – Saitenlage & Oktavreinheit

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Johnson JD 16 (44)

Sustain und Ansprache

Zwei Worte, die im Zusammenhang mit akustischen Gitarren wie Zauberformeln verwendet werden – ohne dass viele Benutzer überhaupt wissen, was sie bedeuten. Grundsätzlich haben diese Worte mit Physik zu tun. Und sie bilden ein gegensätzliches Paar! Das Eine geht nur mit möglichst wenig Einmischung des Anderen! Dies schon mal zu Beschreibungen, wie „…hat eine schnelle Ansprache und ein langes Sustain…“.

Ein wichtiger Einfluss auf den Klang ist die sog. Dämpfung. Abhängig von Masse, Dichte und der Fähigkeit zur Schwingungsübertragung der verwendeten Hölzer entsteht eine Vielzahl von Schwingungen. Die hörbaren Grundtöne und vor allem deren Obertöne bilden die Klangcharakteristik einer Gitarre.

Entgegen der landläufigen Meinung `macht´ Holz keinen Klang, sondern es verhindert ihn genau genommen. Abhängig von Material und Konstruktion werden bestimmte Frequenzen bei der Entstehung von Schwingungen verhindert, also ‚gedämpft‘. Der Klang einer Gitarre bildet sich aus dem Rest der Schwingungen, die hörbar werden. Bei akustischen Gitarren wirkt der Korpus zudem als ein Verstärker. Behindert man die Schwingungen nach dem Anschlagen der Saiten, in dem man mit den Händen das Holz regelrecht festhält, verändert sich entsprechend der Klang – alles schlicht & ergreifende Sachverhalte.

Mit Sustain ist in aller Regel die Fähigkeit einer Gitarre gemeint, den Ton möglichst lange ausklingen zu lassen. Das bedeutet, die Saite muss ebenfalls lange schwingen. Zwei Arten von wellenförmigen Bewegungen sind dafür maßgeblich und treten zeitgleich auf.


Transversale Wellen erzeugen den Ton einer Saite und entstehen kreisförmig um die Saite herum. Longitudinale Wellen verlaufen entlang zur Saite, vor und zurück, und entwickeln die stärkere kinetische Energie. Sie sind erheblich schneller als die transversalen Wellen und daher für unsere Augen so gut wie nicht zusehen. Das, was wir als die Saitenschwingung erkennen, sind die Transversalwellen. Für Hersteller von Saiten und Instrumentenbauer ist es absolut entscheidend, dass diese beiden Wellenbewegungen auf eine harmonische Weise entstehen und sich nicht negativ beeinflussen. Von mehreren Faktoren kann der Gitarrist höchstens die Mensur beeinflussen, indem er z.B. den Halsstab immer wieder mal in die eine oder andere Richtung verstellt und damit dien Einklang der Wellen stört.


Die Voraussetzung für einen langen Ausschwingvorgang ist ein entsprechender Einschwingvorgang. Eine dicke Saite, mit einer vergleichsweise großen Masse, wird durch eine große Auslenkung (wie eine Bogensehne) oder einen starken Anschlag in Bewegung versetzt, oder beides. Die Saite verhält sich genauso wie ein dynamischer Lautsprecher mit einer großen Membran. Je mehr Energie dem System zugeführt wird, desto größer ist der Output, aber der Lautsprecher muss diese Energie auch wieder irgendwo hin abgeben, z.B. durch starke Luftbewegung, unkontrollierte Schwingungen oder durch Wärme. Je mehr Energie in die Saite fließt, desto mehr Energie muss sie wieder vernichten, also ausschwingen. Das wiederum ist vom spezifischen Gewicht abhängig, das – je größer es ist – umso mehr kinetische Energie benötigt, um überhaupt `in die Gänge zu kommen´. Dafür braucht der Einschwingvorgang entsprechend Zeit; den Auschwingvorgang erleben wir, aufgrund der Luftbewegungen, als einen anhaltenden Ton – das sog. Sustain. Unter dem ersten leidet die sog. ‚Ansprache‘!

Ansprache bedeutet, eine Saite ist in der Lage, möglichst schnell die aufgenommene Energie in Schwingungen umzusetzen. Dabei stört die Masse umso mehr, je größer sie ist. Eine „schnelle Ansprache“ entsteht bei akustischen Gitarren m. E. n. ohnehin in ausreichendem Maße, da die Masse der Saiten im Verhältnis zur Entwicklung von Schwingung und Ton immer ausreichend klein ist. Ansprache heißt praktisch gesehen: wie schnell kann ich den erzeugten Ton erkennen? Antwort: wenn wir Gitarre spielen im Prinzip sofort! Um die möglichen Laufzeitunterschiede des Schalls tatsächlich wahrzunehmen, müsste unser Gehör viel schneller `arbeiten´, als es dazu in der Lage ist. Die Profis haben ihre Wahrnehmung – das Gehör und damit auch die zuständigen Areale im Gehirn – im Laufe der Jahre trainiert! Wenn also die wirklichen Fachleute, wie Instrumentenbauer, Hersteller von Saiten und Gitarren, Begriffe wie Sustain und Ansprache verwenden, ist das ein Teil ihres `Handwerkszeugs´ und hat dann auch einen tieferen Sinn.

Wirklich hören lassen sich diese Effekte beim Anschlagen einer Bass-E-Saite. Aufgrund von Länge und Umfang ist deren Masse mit 40-50g so hoch, dass der Einschwingvorgang deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, was wir im Übrigen auch sehen können. Ohr und Gehirn brauchen dabei mehr Zeit, als bei einer normalen Gitarrensaite, um den spezifischen Ton zu erkennen, und entsprechend lang ist auch der Ausschwingvorgang.

Das, was wir tatsächlich hören, fasst unser Gehirn als `Klang´ zusammen – und ergänzt es mit unseren individuellen Erwartungen. Weiterhin vergleicht es das Gehörte automatisch mit den Vorlagen von Klang, die bereits in unserer Erinnerung abgespeichert sind (als Teil der kognitiven Signalverarbeitung). Wo diese `Vorlagen´ herkommen und wie sie `aussehen´, ist uns in diesem Augenblick nicht bewusst. Am Ende empfinden wir den Klang als angenehm oder unangenehm. So und nicht anders funktioniert (vereinfacht formuliert) die Wahrnehmung in unserem Gehirn. Man spricht in diesen Zusammenhängen auch von Psychoakustik.

David Eichelbaum, Gitarrenbauer und Retaurator hat es erst kürzlich in einem Interview ausgesprochen – wir haben kein Gedächtnis für Klang. Wir haben lediglich eine Erinnerung daran, und Erinnerungen sind im Grunde nichts anderes, als chemische Substanzen (die sog. Botenstoffe), die in Nervenzellen im Gehirn gespeichert sind. Da diese im Laufe der Zeit Veränderungen unterliegen, haben wie auch alle schonmal die Erfahrungen gemacht, dass unsere Erinnerungen zu Familienfesten (oder sonst irgendwelchen Gelegenheiten) sich von denen der anderen Anwesenden auf merkwürdige Weise unterscheiden können – und fragen uns dann, was zum Teufel die Anderen eigentlich gesehen oder gehört haben wollen!

In the end … one of the key things that make a guitar memorable is the way that it plays … We don’t have the capacity to remember sound, … If I asked you what a guitar you played ten years ago sounded like, you couldn’t tell me. All you could tell me is what you thought of it, or what you remember feeling when you were playing the guitar…“ („A shop visit with luthier and restorer David Eichelbaum“ by Adam Levy; Acoustic Guitar, Ausgabe Dezember 2017).

Unser Gehirn erkennt Unterschiede, wenn das, was wir miteinander vergleichen, zeitlich nicht zu weit auseinander liegt. Aber selbst bei Blindtests von Instrumenten, HiFi-Boxen oder Getränken sind Tester, die zuvor auf ihre Sinne schwörten, kläglich gescheitert. Sustain und vor allem Ansprache sind also schön und kompetent klingende, plakative Zauberworte. In der Beschreibung einer akustischen Gitarre helfen sie uns aber ohne direkte Vergleichsmöglichkeit nicht wirklich weiter.

Die Saitenlage

Jede Westerngitarre verfügt über einen Einstellstab im Hals (Trussrod), um den Zug verschiedener Saitenstärken auszugleichen und dem Hals seine korrekte Krümmung wiederzugeben. Mehr aber nicht! Die Saitenlage wird darüber nicht eingestellt (auch wenn dies eine beliebte Praxis ist), weil sich die Veränderung der Halskrümmung automatisch auf die Länge der Mensur und damit die Oktavreinheit auswirkt. Der Zugang befindet sich an der Kopfplatte oder im Bracing unter dem Halsansatz. Drehungen nach rechts `spannen´, Linksdrehungen `entspannen´ den Trussrod.

Die Saitenlage ist zunächst ein konstruktives Merkmal. Sie ist erstmal davon abhängig, wie der Hals am Korpus angesetzt – man spricht hier vom Halswinkel  – und wie seine Ausrichtung im Verhältnis zur Decke angelegt ist. Ein negativer Halswinkel bedeutet, dass der Hals ausgehend vom Korpus nach unten weist, bei einem positiven Winkel zeigt er prinzipiell nach oben. Stehen Hals und Decke parallel zueinander, ist der Halswinkel ideal. Ein falscher Halswinkel lässt sich dementsprechend nicht verändern, es sei, man baut den kompletten Hals ab, korrigiert die Fehlstellung und setzt ihn wieder an (Neckreset). Bei Taylor Guitars hat man für diesen Fall eine patentierte Konstruktion und ein Verfahren entwickelt, mit dem sich der Halswinkel der hauseigenen Gitarren jederzeit korrigieren lässt. Alle Anderen müssen mit `ihrem´ Halswinkel leben. Bei der Massenfertigung für die Consumer-Klasse treten leider immer wieder mal Fehler in der Halswinkelstatik auf.

Das war das Eine. Jetzt erst ist die Halskrümmung an der Reihe. Der Halsstab (Trussrod) hat genau eine Funktion – dem Zug der Stahlseiten entgegen zu wirken. Bei einer Konzertgitarre ist der Saitenzug vergleichsweise niedrig, und nur wenige Hersteller (z.B. Ortega) bauen einen Trussrod in verschiedene Modelle ein. Bei einer Stahlsaitengitarre dagegen kann der Saitenzug 80 – 90 kg und mehr betragen. Dazu kommen die unterschiedlichen Saitenstärken. Im Lauf der Zeit würde sich der Hals unaufhaltsam nach oben (up-bow) biegen und am Ende wären Saitenlage, Oktav- und Bundreinheit nur noch eine schöne Erinnerung. Besitzer einer Konzertgitarre, die versuchen, diese mit Hilfe von Stahlsaiten auf Westerngitarre `umzubauen´, machen genau diese Erfahrung.

Das wiederum bedeutet, dass der Trussrod eigentlich nur dann verstellt wird, wenn sich der Saitenzug ändert – also maximal bei neuen oder anderen Saiten. Es gibt unter Gitarrenbesitzern, sagen wir mal, gewisse Bestrebungen, aus einer 300€- oder 400€-Gitarre ein vermeintliches Super-Premium-Top-Instrument zu machen, in dem als erstes der Hals „…nachgestellt…“ und/oder die Stegeinlage ordentlich `runtergeschliffen wird. Das subjektive Spielgefühl vermittelt natürlich eine komfortablere Handhabung, der Kraftaufwand ist niedriger, das Spielen fällt leichter.

Die Rechnung stimmt – solange, bis sich wieder eine Veränderung ergibt, durch neue Saiten, andere Fabrikate oder Stärken, veränderte Holzfeuchte und Statik, eingekerbte Stegeinlagen – oder jemand mal auf die Idee kommt, die Oktavreinheit zu überprüfen oder stärker anschlägt, als bisher?! Die vermeintlich bessere Spielbarkeit geht nämlich zwangsweise einher mit einem verhaltenen Anschlag. Dem Argument der Oktavreinheit (auch fälschlicherweise als Bundreinheit bezeichnet) wird beim Kauf große Beachtung geschenkt; sobald die Gitarre zu Hause ist, spielt sie plötzlich keine Rolle mehr. Jetzt muss erstmal die `Performance´ verbessert werden! Stellen wir also einfach eine „…Briefmarkensaitenlage…“ ein …


Die Ergebnisse derartiger Verbesserungen habe ich schon häufiger korrigiert. Manche Gitarrenbesitzer verzichten viel lieber auf die Anschlagdynamik, als eine normale Saitenlage in Kauf zu nehmen. Es ist vergleichbar mit einem Autofahrer, der alle vier Achsfedern ausbaut, absägt und um 1/3 kürzt, weil ja dann die Straßenlage viel besser ist. Später fragt man sich, warum neben dem permanenten Gehoppel und Gerappel alle möglichen Karosserie- und Fahrwerksteile unter vorzeitiger Ermüdung leiden..


Es gibt eine Grundeinstellung für den Gitarrenhals (Beispiel 1). In diesem Fall sollte die Halskrümmumg leicht konkav, also nach oben (up-bow) zeigen. Im Bereich der ersten 3 oder 4 Bünde ist eine leichte Krümmung nach oben zu erkennen, blickt man am Hals entlang in Richtung Kopfplatte. In der Mitte hat die Saite ihre größte Auslenkung, ihr Schwingungsmaximum, und dafür braucht sie logischerweise Platz.

Halskrümmung

Grundsätzlich gilt: je niedriger die Saitenlage, desto größer ist die Gefahr, dass Saiten aufsetzen und schnarren (buzz) und umso leichter muss der Anschlag sein! Das geht logischerweise auf Kosten von Dynamik und Lautstärke. Der so oft beschriebene „schnurgerade“ Hals ist genau genommen ein Einstellungsfehler. Bei einer niedrigen Saitenlage haben die Saiten nicht (mehr) genügend Spielraum und schlagen, vor allem bei einem beherztem Anschlag, an irgendeiner Stelle auf die Bundstäbchen auf (Beispiel 2), was wir dann im Allgemeinen als „Schnarren“ bezeichnen.

Wird der Hals überdreht (Beispiel 3), schlagen die Saiten ohnehin schön früh auf die Bundstäbchen auf. Diese Position erreicht der Hals aber im Regelfall, wenn die Saiten komplett gelöst oder entfernt werden, da der Saitenzug der Krümmung nun nicht mehr entgegenwirkt. Bleibt eine Gitarre längere Zeit ohne Saiten, empfiehlt es sich, den Halsstab zu entspannen. Für einen Versand im hoffentlich sicheren Karton bleibt alles, wie es ist.

Im Einklang mit korrekt dimensioniertem Sattel und Stegeinlage ergibt sich eine Saitenlage, die im Regelfall 2,5 – 2,7 mm am 12. Bund beträgt und die auch ein so renommierter Gitarrenbauer wie Christian Stoll von Stoll Guitars© als gut bezeichnet. Mit ebenfalls 2,7 mm Saitenabstand werden diverse Modelle aus den Werkstätten z. B. von Sigma Guitars© oder Yamaha© entlassen, wie auf den Kontrollanhängern zu lesen ist. Alles, was darüber hinaus (respektive darunter) geht, erfordert mehrere zusammenhängende Maßnahmen.

Noch ein Wort zur Stegeinlage: je niedriger die Stegeinlage ist, desto niedriger ist auch der Druck, mit dem sie auf auf die Decke, respektive den Steg, gepresst wird. Dieser `Anpressdruck´ ist aber mitentscheidend für die Übertragung der Saitenschwingung auf die Decke und somit auch für den Klang verantwortlich. Manche Stegeinlagen wurden so weit `runtergeschmirgelt (siehe: Worauf sollte ich achten), dass die Biegung der Saite über die Stegkante kaum noch zu erkennen war. Damit ist die Funktion der Stegeinlage deutlich eingeschränkt …

Die Oktavreinheit (Intonation)

Es gibt ein paar Begriffe, die gerne gebraucht werden, und das ebenso gerne an, nicht immer dafür vorgesehenen, Stellen. Fangen wir mal mit dem Wort „Bundreinheit“ an. Sie wird immer wieder ins Spiel gebracht, um dem Interessenten mitzuteilen, dass die gespielten Töne und Akkorde einer gebrauchten Gitarre immer noch sauber – und nicht schräg oder schief – klingen.

Allerdings ist die Bundreinheit etwas, dass sich bei einer Gitarre nicht ohne Weiteres verändert, wenn der Hersteller die Bundstäbchen da angebracht hat, wo sie den Berechnungen nach auch hingehören. In der Beziehung können wir den meisten Herstellern vertrauen. Die Bundschlitze auf den Griffbrettern werden computergesteuert eingesägt. Bei den kleineren Premium-Herstellern geschieht auch das in Handarbeit (aber das ist ja hier nicht unsere Kragenweite).

Dass sich die Bünde von selbst verschieben, können wir wohl beruhigt ausschließen. Dass sich der Hals nur in der Länge zusammenzieht, vermutlich auch. Wenn er schrumpft, dann insgesamt, und es gibt mehr Probleme, als nur unsaubere Töne. Das bedeutet also, jede Gitarre ist zunächst `bundrein´, und zwar solange niemand auf die Idee kommt, den Hals auf halbacht zu drehen oder zu einer Berg- und Talbahn umzuformen.

Oktavreinheit bzw. Intonation sind die passenden Zauberworte

Das hängt damit zusammen, dass auf eine Gitarre Drähte gespannt werden, die eine bestimmte Länge haben müssen, um bestimmte Töne zu erzeugen. Diese Länge ist nicht beliebig veränderbar (es sei man ist Instrumentenbauer mit einer Vorliebe für experimentelle und ausgefallene Produkte). Die Länge dieser Drähte wiederum ist abhängig von der Höhe der Töne, die erzeugt werden sollen. So erklärt sich z. B. der Größenunterschied zwischen einer Ukulele, einer Konzert-, einer Western– oder E-Gitarre und einem Bass.

Schon seit einigen hundert Jahren ist die Gitarre allein aufgrund ihrer Größe und Transportfreundlichkeit eines der beliebtesten Instrumente. Also musste sie auch immer verschiedene Aufgaben übernehmen: als Teil eines großen Orchesters, als Lagerfeuerunterhaltung für die Cowboys, oder um die angebetete Liebste unter ihrem Fenster anzu….singen. Letzteres findet heutzutage nicht mehr so oft vor dem Fenster, sondern mehr auf einer Bühne statt, was den Sänger so ganz nebenbei auch in einem viel besseren Licht erscheinen lässt. Manche stehen relativ ungerührt in der Gegend `rum, Andere verrenken sich dabei geradezu. Und bestätigten Gerüchten zufolge sollen Leute ihre Gitarre sogar auf offener Bühne zu Klump gehauen haben, sehr zur Freude des anwesenden Publikums. Und wir wollen natürlich auch die Hawai’ianer nicht vergessen. Denen verdanken wir letztlich Dolly Parton, Hank Williams und die Country-Western Musik.

Trotz all dieser kulturellen Errungenschaften lassen sich bei Akustikgitarren ein paar Probleme nicht ausschließen. Saiten haben eine unterschiedliche Dicke und im Grunde auch Länge. Sie werden alleine und in den merkwürdigsten Kombinationen – mehr oder weniger gemeinsam – gedrückt, gezogen und sonstwie malträtiert. Das muss einer erstmal abkönnen! Bei jedem gedrückten Akkord werden die beteiligten Saiten unterschiedlich in die Länge gezogen. Je älter und abgespielter sie sind, desto mehr verändern sich ihre ursprünglichen Eigenschaften … und damit die Oktavreinheit.

In der ursprünglichen Einstellung mit neuen Saiten ist die Oktavreinheit am ehesten gegeben. Aber – sie ist immer nur ein Kompromiss zwischen mehreren Faktoren, denn einen perfektes Verhältnis der Töne zueinander existiert auf der akustischen Gitarre nicht! Allgemein ist in der Musik die sog. „temperierte Stimmung“ (12 gleich große Halbtonschritte innerhalb eine Oktave) am weitesten verbreitet. Außer der Oktave stimmt aber leider kein Tonabstand (Intervall) mehr exakt, egal in welcher Tonart. Allerdings sind diese Abweichungen in allen Tonarten gleich groß. Aus mathematischer Sicht gesehen – nach dem sorgfältigsten Stimmen … stimmt nix mehr!

Das bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass jedes stimmbare Instrument so eingestellt wird, dass die unvermeidlichen Abweichungen der einzelnen Töne und der Akkorde möglichst wenig auffallen. Am ehesten lässt sich eine, in sich „richtige“, Stimmung auf einer E-Gitarre erreichen. Anstelle der Stegeinlage verfügt sie über bewegliche Halterungen für jede einzelne Saite, mit der die Länge individuell eingestellt werden kann.

verstellbarer Steg 1

Bei einer Westerngitarre gibt’s das nicht – von früheren Experimenten mal abgesehen (siehe oben)! Der Steg hat eine feste Position, und die darin befindliche Nut für die Stegeinlage ebenfalls. Sie lässt sich in keine Richtung verschieben und so ist (im Normalfall) die einzige veränderbare Größe die Dicke der Stegeinlage und ihr Auflagepunkt für die jeweilige Saite. Nun werden die Stegeinlagen schräg angesetzt, um wenigstens ein bißchen Wirkung zu erzielen. Dabei entsteht die größte Entfernung zum Sattel bei der tiefen E-Saite, die kürzeste bei der hohen e-Saite. Wenig Spielraum für große Ansprüche und hohe Erwartungen!

Um eine möglichst(!) optimale Oktavreinheit zu erreichen, werden Stegeinlagen zusätzlich kompensiert, das heißt, die Auflagepunkte für die Saiten werden individuell verändert – und damit prinzipiell auch die Länge der Saiten. Der Spielraum dafür ist denkbar klein, da die Nuten für die Stegeinlagen in der Regel kaum breiter als 3-3,5 mm sind.

Die Länge der frei schwingenden Saite (Mensur) wird bei jeder Gitarre am 12. Bund halbiert. Spielt man hier einen Flageolett-Ton, ist dieser exakt doppelt so hoch wie die Leersaite. Drückt man im 12. Bund die Saite, entspricht die Tonhöhe somit der des Flageoletts. Stimmen beide überein, alles super. Stimmen beide nicht überein – der Normalfall – muss die Saitenlänge verändert werden. Der Grat der Stegeinlage wird also in die eine oder andere Richtung angepasst.

Ist der gegriffene Ton höher als der Flageolett, ist die Saite hinter dem 12. Bund zu kurz und muss verlängert werden. Ist der gegriffene Ton niedriger, ist die Saite hinter dem 12. Bund zu lang und muss verkürzt werden. Dies erfolgt bei mir mittels „Hören“ und schrittweise „Verändern“ und setzt eine gewisse Erfahrung voraus. Denn: ist der Druck unterschiedlich, vor allem auf die dicken Saiten, verändert sich natürlich sofort die Tonhöhe am 12. Bund. Bei manchen Gitarren ist die erzielte Oktavreinheit mehr als zufriedenstellend, bei manchen nicht mehr als eine Annäherung an die Wunschvorstellung.


Kann jeder ausprobieren. Spielt mal um den 12. Bund herum die umwickelten Saiten und drückt zuerst relativ leicht (natürlich ohne dass es schnarrt) und dann mit sehr festem Fingerdruck. Der Unterschied ist enorm. Macht man das bei einem Ton, erreicht man sogar einen leichten Tremolo-Effekt. Das zeigt, dass die Oktavreinheit in der Tat eine ziemlich wackelige Angelegenheit ist. Ist werksseitig der Halswinkel nicht korrekt und weicht nur ein bißchen vom Idealzustand ab, und befindet sich die Nut für die Stegeinlage nicht exakt dort, wo sie theoretisch hingehört, reicht die Dicke des Knochenmateriales nicht aus, um die Fehler auszugleichen.


Voraussetzung: die Halskrümmung und die Saitenlage müssen eingestellt sein und bleiben. Jede nachträgliche Veränderung des Halses wirkt sich auf die Länge der Mensur aus, und damit auf die Oktavreinheit. Streng genommen gilt dies auch für jegliche Veränderung in der Höhe an Sattel und Stegeinlage.

Aber selbst wenn die o.g. Prozedur einigermaßen erfolgreich war, es gibt noch immer Faktoren, die dem Gitarristen das Leben schwer machen, z. B. die Masse und die Steifigkeit einer Saite … und die Mehrspannung, sobald sie gedrückt wird. Damit kommen am Ende auch noch Höhe und Dicke der Bundstäbchen mit ins Spiel, und die Qualität des Saitenmateriales. Billigsaiten aus Fernost schonen zwar das Privatvermögen, aber nicht die Oktavreinheit.

Somit wird am Ende ziemlich klar und deutlich, wie diffizil letztlich das Zusammenspiel dieser verschiedenen Faktoren ist – und was die Herren Sattelsäger, Stegschleifer und Halseinsteller neben einer `super performance´ noch so alles erreichen …

Stimmt so…