3. Beispiel: Epiklon…

Epi Headstock (7)

…statt Epiphone, könnte man fast sagen. Ein schönes Beispiel für Energieverschwendung oder besser gesagt, Nicht-Sparen an der falschen Stelle – die Epiphone FT 165 BARD 12.

Immer wieder werden derartige Klone gerne mit dem Hinweis „Japan!!!!!!!!!!“ versehen und mit teilweise absurden Preisvorstellungen für `Sammler´ oder `Kenner´ angeboten, weil ja jedermann bzw. jedefrau weiß, Achtung Zitat: „…Die Hölzerauswahl war damals absolut kompromisslos! Hier wurde nur verbaut, was einer bestimmten Maserungsrichtung und Qualität entsprach, und nicht wie heute einfach nur wahllos verleimt wird…“ Was für ein unglaublich dummer Satz. Das übliche Gefasel und Geschwafel eben.

Machen wir’s doch mal konkret!

Wir stellen mal drei unterschiedliche 12-saitige Gitarren aus drei verschiedenen Jahrzehnten und Herstellungsorten nebeneinander: die Epiklon aus Japan, eine Yamaha FG 440-12 aus Taiwan und eine aktuelle LAG T 66 D-12 aus China, alle mit Fichtendecke und vollaminiert.

Epi Innen (4)

Neben anderen bekannten Marken begab sich auch Epiphone® frühzeitig in’s Land der aufgehenden Sonne. Der Mutterkonzern Norlin Company hatte (lt. Wikipedia) 1969 die Gibson Guitar Corporation übernommen, deren Tochter Epiphone bereits seits 1957 war. Hier entschied man im Jahr 1970, Epiphone von Kalamazoo in Michigan in den produktionstechnisch viel billigeren, fernen Südosten umzusiedeln.

Neben den klassischen E- und Archtop-Epiphones produzierte man auch Westerngitarren (im Laufe der Zeit lizensierte Gibson®-Kopien), die `da unten´ viel günstiger hergestellt werden konnten. So entstand bei Epiphone auch dieser Westernklon, sozusagen die Billig-Kopie einer bereits vorhandenen Gitarre, vermutlich der Roy Orbison-Gitarre FT 112 BARD. Die japanischen Hersteller haben auf die gleiche Weise die amerikanischen Vorbilder billig-kopiert. Und wer sich hier am Ende von wem hat inspirieren lassen – Japaner von Epiphone oder umgekehrt – ist schwer zu sagen, dazu müsste man (also ich) erst mal intensiv recherchieren. In jedem Fall sind immer noch jede Menge geklonte Exemplare aus Ende der 60er bis Mitte bzw. Ende der 70er (die sog. „law-suit“ Ära) im Umlauf.

Mit großem Aufwand wurde bei der FT 165 ein Vollaminatkorpus mit Perlmutt-Ersatz bepackt. Die Blockeinlagen im Griffbrett erinnern stark an die schillernde Plastikverkleidung eines 60er Jahre Akkordeons oder Schlagzeuges. Der Schriftzug wiederum sieht nach echtem Perlmutt aus.

Der Hals ist ohne abstützenden Halsfuß an den Korpus geschraubt, was theoretisch eine Anpassung des Halswinkels ermöglicht, aber auch Stabilität am Hals-Korpus Übergang kostet. Das ganze Gerät ist entsprechend schwer und ziemlich kopflastig – nicht zuletzt durch den großen Halsklotz und die dahinter verborgene Verschraubung, sowie die große Kopfplatte mit den 12 semi-closed-Mechaniken.

Epi Halsansatz

Da das Griffbrett über einen Nullbund verfügt, ist ein Sattel aus Knochen uninteressant, wäre aber ohnehin nicht eingesetzt worden. Der letzte Bund ist über dem Korpus frei schwebend. Der Zugang zum Trussrod liegt unter der Abdeckung im Headstock, wie zu dieser Zeit allgemein üblich.

Epi Inlays (1)

Griffbrett, Steg, Zargen und Boden (laminiert) sind aus einer, unruhig gemaserten, Palisanderart gefertigt.

Epi Boden (9)

Die Decke besteht aus laminiertem Fichtenholz – die mittlere Schicht ist eigentümlich dunkel – mit vielen Schatten, `Flecken´ und ist sehr ungleichmäßig gewachsen. Heutzutage würde das jeder Tester sofort monieren. Die winzigen, schwarzen Stippen allerdings sind kleine Macken, in denen sich Schmutz angesammelt hat, mit dem Holz selbst haben sie nichts zu tun.

Beim Boden-Bracing kam es offensichtlich auf Stabilität und nicht so sehr auf filigrane Handwerkskunst an. Darauf komme ich nochmal zurück …

Epi Innen (3)

Sogar Herringbone-Einlagen hat die Gitarre bekommen … und noch nicht mal sauber zusammengesetzt.

Nachdem man schon auf qualitativ hochwertige Hölzer und (wenigstens) eine massive Decke verzichtet hatte, durfte der in dieser Zeit und Preisklasse allgegenwärtige Klangverhinderungsapparat, der verstellbare Steg, natürlich nicht fehlen – also jede Menge Optik eingebaut, aber wenig für die Klangentwicklung getan.

Wie sieht’s nun mit dem Vergleich aus? Schauen wir mal hin – Epiklon und Yamaha (mit Perloidbinding) haben einen Palisanderkorpus, die LAG einen aus hellem Mahagoni. Die Yamaha ist bereits gestrippt, alles, was einer Überarbeitung im Weg steht, ist abgebaut.

Epiklon und Lag haben im Gegensatz zur Yamaha einen zwei- bzw. dreifach verschraubten Steg, worauf die dunklen Holzdübel unweigerlich hinweisen. Bei der LAG fällt die Bridgeplate etwas schmal aus, die Ballends sitzen nah am Rand, und mit etwas Glück spaltet der sich möglicherweise mal ab.

Vor allem zwischen FT 165 und T 66 D-12 ist ein Vergleich interessant, profitiert die eine doch von der Hölzerauswahl in den 70ern, die schließlich „…damals absolut kompromisslos!…“ war. Die andere kommt bedauerlicherweise aus einer Chinaproduktion der Gegenwart, in der „…einfach nur wahllos verleimt wird…“

Dann schauen wir uns also das neuzeitliche Drama einmal an …

Neben der FT-Decke mit ihren Schattierungen und der relativ groben Maserung fallen die deutlich feineren Zeichnungen der Yamaha und eben der LAG auf. Es gibt feinere Jahresringe, ohne dunklere Flecken oder Schattierungen.

Ein Blick ins Innere der beiden bietet eine weitere Offenbarung – das Bracing. Die Unterschiede in der Gestaltung der Leisten sind … na, sagen wir … auffällig.

Grober Klotz hier – filigrane Leiste dort. Wer hier wo zu welcher Zeit hochwertiger und sorgfältiger gefertigt hat, steht für mich nicht nur in diesem Fall außer Frage … und bestätigt meine persönliche Einschätzung erneut (siehe „Früher waren die viel besser…“).

Schlichte semi-closed Mechaniken und Kunstoffpurfling auf der einen Seite, ölgelagerte die-cast Mechanik in schwarz mit Katharerkreuz und profilierte Kopfplatte auf der anderen.

Wie die Epiphone hat auch die LAG ihre netten Details, nur weniger protzig.

Im direkten Vergleich kommt die China-LAG viel dezenter und handwerklich präziser daher, als der Epiklon, und sie hat ein eigenständiges Design. Selbstverständlich muss man die FT 165 BARD 12 auf dem Hintergrund ihrer Zeit sehen, als es neben ihr noch viele ähnliche Gitarrenmodelle aus der Zeit der `Klonkriege´ gab.

Aber heute gibt es in dieser Preiskategorie höhere Qualitätsstandards und auch die Ansprüche seitens der Käufer sind andere. Dies habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich dargelegt. Wer Spaß an diesen Modellen hat, soll und wird damit glücklich werden. Nostalgie und Erinnerung an frühere Zeiten sind rein emotionale Gesichtspunkte, sie müssen ohnehin nicht erklärt werden. Es gibt aber keinen vernünftigen und nachvollziehbaren Grund, warum man diese Vollaminat-Gitarren aktuellen Fabrikaten vorziehen sollte.


Übrigens – will Frau oder Mann herausfinden, wie gut 12-saitige laminierte Gitarren aus früher japanischer Fertigung tatsächlich klingen, bräuchten sie und er nur neue Saiten aufziehen – ohne(!) Oktavsaiten, die im Gesamteindruck immer brillant und obertonreich klingen, egal wie alt sie sind, und damit den gesamten Höreindruck verfälschen – und v. a. die umwickelten Saiten anschlagen. Das, was sie dann hören, ist der eigentliche Klang der Gitarre. Kann Frau & Mann dann ja auch mit neuen 12-Saitern vergleichen …


Speziell dieses Exemplar hier ist ziemlich ramponiert. Ein Bekannter hat mir die Epiklon überlassen, nachdem ich ihn auf den Riss im Steg aufmerksam gemacht hatte. Sie dient jetzt als Anschauungsobjekt, z. B. für die enorme Beule, die der Saitenzug unterhalb des Steges in der Decke verursacht hat. Dazu kommt – von den ganzen Blessuren und dem fehlenden Binding im Headstock mal ganz abgesehen – ein fehlerhafter Halswinkel. Ergebnis: eine beeindruckend abgehobene Saitenlage.

Der zu starke Halswinkel liesse sich theoretisch ausgleichen, wollte man bzw. ich die Mühe auf sich nehmen. Dann müsste konsequenterweise ein neuer Steg montiert werden. Im Zuge dessen könnte ich den unsäglichen Metallapparat durch eine entsprechend breite Stegeinlage aus Knochen ersetzen. Mit ihr liesse sich sogar eine nahezu perfekte Oktavreinheit erreichen. Um die Beule aus der Decke zu bügeln, müsste zum Schluss noch ein Bridgetruss installiert werden.

Aber – bei dem Zustand und den vorhandenen Beschädigungen lohnt sich der Aufwand in keiner Weise. Der Aufwand wäre erheblich, die erreichbaren klanglichen Vorzüge aber sehr eingeschränkt, trotz des `alten´ Holzes. Im Januar 2016 wurde bei Reverb eine FT 165-12 in einem sehr guten Zustand für 175€ verkauft. Das ist ein guter Preis für so eine Gitarre, mehr als 200-220 € für einen nahezu perfekten Zustand würde ich nie ausgeben – und das auch nur aus rein nostalgischen Gründen.

Ob neu oder gebraucht – wollte ich eine günstige 12-saitige Gitarre kaufen, um auf ihr zu spielen, würde ich jede Menge aktuelle Angebote von in Taiwan, Korea oder eben China hergestellten Fabrikaten finden, die einen guten Gegenwert für ihr Geld bieten. Auf Binsenweisheiten, Gerede und Gerüchte kann ich ebenso gut verzichten, wie auf die überteuerten Angebote von geklonten Japanern.

Stimmt so …

 

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