„Alternative Fakten“ – und was man dagegen tun kann

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Legendenbildung
Legendenbildung …

Zitat von David Eichelbaum, Gitarrenbauer und Retaurator:In the end … one of the key things that make a guitar memorable is the way that it plays … We don’t have the capacity to remember sound, … If I asked you what a guitar you played ten years ago sounded like, you couldn’t tell me. All you could tell me is what you thought of it, or what you remember feeling when you were playing the guitar…“ („A shop visit with luthier and restorer David Eichelbaum“ by Adam Levy; Acoustic Guitar, Ausgabe Dezember 2017)


Nichtwissen oder etwas nicht zu wissen, ist nichts Verwerfliches, sondern der übliche Zustand, bevor wir unsere Unkenntnis durch Informationen ersetzen. Erst recht in der Zeit von bzw. mit dem Internet lässt sich so ziemlich alles in Erfahrung bringen, was sachlich notwendig und sinnvoll wäre, um eine Kaufentscheidung abzusichern – wenn Frau oder Mann das auch will.

Nicht erst seit Donald dem Trumpeltier werden „…alternative Fakten…“ angeboten. Wie im Alltagsleben auch wird häufig nach dem Prinzip gehandelt `Nix wissen, aber zu allem eine Meinung haben´. Auf das, was an sogenanntem `Wissen´ (siehe auch Schlaumeiereien…/Von Sammlerstücken…) und Binsenweisheiten im Netz kursiert oder in den Beschreibungen der Auktionen verbreitet wird, kann und sollte sich niemand verlassen!

Vermeintlich massive Decken oder vollmassive Gitarren; Konzertgitarren, die als Westerngitarre feilgeboten werden; Vollholz-Gitarren; Modelle, die mit wesentlich teureren mithalten können; eine Qualität, die sonst nur bei viel teureren Gitarren zu finden ist undsoweiter undsoweiter – es wird d’rauflos geredet und geschrieben, was so gerade in die Quere kommt. Häufig Gerede von Leuten, die vermutlich nicht halb so viele Gitarren gesehen, geschweige denn gespielt haben, als nötig wäre, um sich solche Urteile überhaupt erlauben zu können.

Das ist aber nicht alles, es geht ja noch weiter. Trauminstrumente mit traumhafter Bespielbarkeit, traumhafter Saitenlage und traumhaftem Klang treten seit einiger Zeit vermehrt auf. Dazwischen finden wir Raritäten – am besten „vintage“ – und sehr gesuchte Instrumente, die leider nicht mehr zu bekommen sind. Es gibt so hilfreiche Hinweise, wie „Die Gitarre wird normalerweise um die ???Euro gehandelt“ – aber ohne die erleuchtende Erklärung, auf welche eingeschworene Sammlerszene sich das „wird normalerweise“ denn bezieht und warum sie jetzt so viel günstiger angeboten wird: Geldnot? Umzug auf einen anderen Kontinent? Anderen mal `was Gutes tun?!

Regelmäßig schwanke ich zwischen Kopfschütteln und fassungslosem Staunen über die Preisvorstellungen mancher Anbieter: eine billige, laminierte 12-saitige Kiso Suzuki©, völlig ungepflegt und vermackt, auf einem ebensolchen Sessel abgestellt, für sage und schreibe 500€ Startgebot und 700€ Sofortkauf! Eine ebensolche, 12-saitige-Epiphone© für 499€! Auch wenn das Extrembeispiele sind, ich könnte ewig so weitermachen…

Wenn ich nichts weiß, muss ich schönen Worten vertrauen und alles, was in kompetentem und wissendem Möchtegern-Experten-Ton behauptet wird, lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und behauptet wird alles Mögliche. Ständig werden Gitarren angeboten, die selbstverständlich M…tin-Nachbauten sind, zumindest einer D-XY ähnlich oder angebliche offizielle und inoffizielle Klone berühmter Marken. Mittlerweile hängt’s mir echt zu den Ohren ‚raus!

Angesichts der Tatsache, dass Martin&Co.® in den 1930er Jahren die Dreadnought-Form entwickelte, die man scherzhaft nach der damals größten Schlachtschiff-Klasse benannte, ebenfalls das X-Bracing und den 14-Bund-Hals-Korpus-Übergang als Standard definierte, kann man getrost jede Westerngitarre in Dreadnought-Form als einen Nachbau bezeichnen. Und da existierte diese Firma bereits 100 Jahre und war schon für viele der klassischen Westernmodelle verantwortlich.

Mit Gitarren verhält es sich ähnlich wie mit Autos. Alle Fahrzeuge, die wir auf der Straße antreffen, sind die Klone oder die Weiterentwicklung früherer Konstruktionen und Modelle. Dass sich ein Auto auf vier Reifen fortbewegt und eine gewisse Anzahl von Türen, Sitzen und Fenstern besitzt, macht sie untereinander ebenso ähnlich, wie sich die Westerngitarren gleichen. Trotzdem käme niemand auf die Idee, einen Kleinwagen mit mäßiger Leistung neben eine Schlachtschiff-Limousine zu stellen und dann ein Schild d’ran zu hängen, mit der Aufschrift: „Seht mal, genau so wie der Große!“

Es ist wie überall. Die wirklichen Unterschiede – die nämlich, die teuer bezahlt werden müssen – werden mit steigender Qualität mehr und mehr zu Alleinstellungsmerkmalen. Beides lässt sich nicht auf Ähnlichkeiten reduzieren, und das wiederum sieht man am Kaufpreis! Wer also behauptet, eine Westerngitarre der Yamaha Corp.© oder von Kiso Suzuki© würde auch nur annähernd so klingen, wie eine von Martin&Co.©, nur weil sie in den 70er Jahren hergestellt wurde, gehört öffentlich ausgelacht. Wer erzählt, dass „…viele alte Musiker…“ dieser Meinung wären, ebenfalls, weil er unausgegorenen Unfug verbreitet und meint, Andere wären noch dümmer und müssten es ihm abnehmen. Aber ein schicker Name als Vergleich wertet die eigene Auktion gleich um ein Vielfaches auf – und es gibt wohl auch immer Interessenten, die sich viel erzählen lassen … wollen.

Phrasendrescher gibt es viele! Eine alte Ibanez Concord mit laminierter Decke und billigen semiclosed-Mechaniken wird als Gibson Hummingbird-Nachbau angepriesen, eine Baton Rouge ist auf einmal ein lizensierter Taylor-Nachbau … der Phantasie und Dreistigkeit sind keine Grenzen gesetzt!

Der Gutgläubigkeit von Menschen, die auf der Suche nach dem ultimativen Schnäppchen oder der absoluten Supergitarre sind, allerdings auch nicht !!

Und natürlich die übliche Litanei von den „üblichen Gebrauchsspuren“ und dem „sehr guten Zustand“. Es ist im Prinzip immer das Gleiche – Worte und Beschreibungen, die nichts aussagen, von Menschen, die nichts zu sagen haben, weil sie nichts wissen oder nichts sagen wollen.

Eine sachliche und informative Beschreibung enthält erstens gesicherte Fakten anstelle von Hörensagen, und zweitens sind die Worte aussagekräftig! Andernfalls kann die Sache mit der gebrauchten Gitarre auch ins Auge gehen …

Ein Anfänger kann die Qualität solcher Angebote erst recht nicht einschätzen! Lasst die Finger davon, wenn Ihr nicht in der Lage seid, eine Gitarre anhand von Fotos zu beurteilen! Bei den Plattformen für Auktion oder Verkauf gibt es keine Regeln für die Beschreibung des Qualitätszustandes, wie es z.B. für Oldtimer seit Jahrzehnten selbstverständlich ist. Da hat ein vollmundiger Begriff wie „neuwertig“ eine klare Definition innerhalb einer Bewertungsstufe…

Das wertentscheidende Kriterium bei der Bewertung eines klassischen Fahrzeuges ist der Pflege- und Erhaltungszustand. Dieser wird unterteilt in einzelne Zustandsnoten. Jeder dieser 5 Zustandsnoten kann selbstverständlich ein Marktwert zugeordnet werden.“ (www.mbgu.de)

Warum kann das bei Gitarren nicht ebenfalls sein? Immerhin, wären alle gebrauchten Gitarren, wie ständig behauptet, im Topzustand, hätte ich nicht dieses Hobby…


Beispiel Nr. 1 …

… und eines meiner persönlichen Highlights. Ich war damals noch recht unerfahren mit der Materie, habe unbedingt etwas ersteigern wollen und … „Lehrgeld“ gelassen!

Eine Ken Rose wurde, mit 3 nichtssagenden Fotos und einem vom Schriftzug auf der Kopfplatte, folgendermaßen angepriesen: Neuwertig,da nur als Zweitgitarre im Wohnzimmer benutzt. Kleiner Kratzer in der Decke (Bild 3), ansonsten keine Mängel. Nichtraucherhaushalt. Bundrein. Gerader Hals. Leicht bespielbar. Ledergigbag bei einem Preis von 80 € inklusive. Westerngitarre Dreadnought, Fichtendecke, Zarre/ Boden Timber, Griffbrett Palisander, geschlossene Mechaniken in Chrom …“

Die gesamte Beschreibung war ein Witz. Verpackt war das Teil in einem Stanford-Innenkarton (der Versender legt anscheinend Wert auf Qualität und besitzt eine Stanford…), keine äußere Beschädigung. Hab‘ wie immer alles fotodokumentarisch festgehalten, man kann ja nie wissen. Aufgemacht, vom „Ledergigbag“ keine Spur, Gitarre lag nackt und ohne Schutz im rauhen Pappkarton, notdürftig ein bißchen Zeitungspapier daraufgelegt und daneben gestopft (der Versender legt hier also keinen Wert mehr auf Qualität…).

Wer auf die Idee kommt, eine Gitarre in so einem Innenkarton (siehe: Versand von Gitarren) zu verschicken, riskiert massive Schäden! Das Instrument ist von keiner Seite ausreichend gepolstert und geschützt. (siehe auch Abbruch von Auktionen, falsche Angaben, Versand…)

Zurück zur Ken Rose: beim Abnehmen des Papiers brach die H-Saite am Wirbel – kann mal passieren. Die Saiten uralt und korrodiert (neuwertig!); sichtbare Abnutzung an den Griffbrettkanten, das ist geschwärzt und die ursprüngliche Farbe des Holzes (Ahorn?) schimmert durch (neuwertig?); sichtbare Lackabnutzung oben am Schalloch (auch neuwertig?), die Mechaniken waren nicht geschlossen, sondern billige `semi-closed´, d.h. offene Mechaniken, nur eben mit Abdeckung.

Das Schönste kam aber beim Herausnehmen – ein deutlicher Spalt am Steg! Also erstmal Saiten entlastet, damit er sich wieder absenkt und kein größerer Schaden entsteht, und schon darüber nachgedacht, ob bzw. wie ich den Steg wieder befestigen kann. Lustigerweise kam der Steg noch weiter nach oben, denn wie sich zeigte, wurde er nur noch durch die Pins und die Saitenenden auf der Decke gehalten (neuwertig!!!). Muss ich erwähnen, dass die Mensur natürlich nicht mehr „oktavrein“ war? Nach meiner Erfahrung tritt so ein Schaden nicht urplötzlich auf, sondern kündigt sich längere Zeit an. Der Besitzer einer (vermuteten) Stanford-Gitarre hätte so etwas ohne Weiteres sehen können und müssen.

Auszug aus dem Original-Kommentar:

„…bis auf dem beschriebenen Kratzer in der Decke…keinerlei Gebrauchsspuren…somit als neuwertig, nicht neu, deshalb auch als gebraucht verkauft…zu bezeichnen. Das…Saiten nach einem Jahr…Gitarre nicht gespielt…erneuert werden müssen…sie doch am besten wissen (Martin 5,19€)…mit dem Steg…unerklärlich, da…vor dem Versand überprüft…keinerlei derartige Schäden…meine Beurteilungen…nicht im Traum einfallen… defekten Gegenstand, nicht als solchen gekennzeichnet, anzubieten…nehme aber an, Verleimen des Stegs für sie kein Problem…

Viel blabla und damit war’s für ihn o.k., er hatte, was er wollte! Ich will hier nicht über die Motive des Versenders spekulieren, aber jetzt hatte ich das Teil!

Nun, Lehrgeld ist es nur dann, wenn man auch `was gelernt hat. Sonst wär’s ja nur teuer! Ich habe daraus gelernt und die besagte Ken Rose dient nun mit ausgesägter Rückseite als Anschauungsobjekt für ihre Innereien. Dieses Beispiel zeigt, in jedem Fall ist neuwertig ein beliebig dehnbarer Begriff.

 


Beispiel Nr. 2

Eine Baton Rouge BR 80 C verkaufte ich nach einer wenig erfolgreichen Auktion mit Mindestpreis anschließend an einen anderen Ebayer, der mich kontaktierte. Wir kamen dann ins Gespräch. Besagte Person war mir durch ihre regelmäßigen Auktionen bekannt. Von der eigentlichen Materie wusste er nicht allzu viel, machte aber einen seriösen Eindruck und äußerte mehrfach sein großes Interesse an der BR. Ich ließ mich auf einen, so gerade noch erträglichen, Kaufpreis ein und der `Kunde´ war über alle Maßen zufrieden.

3-4 Wochen später erblickte ich auf der Plattform eine mir reichlich bekannte Knochenstegeinlage mit dazugehöriger Gitarre. Es war die BR 80 C !

Inseriert war „…dieser offizielle und detailgetreue Nachbau der Taylor 810 C…“ mit dem Hinweis „…Markennamen werden nur verwendet, weil es absolut den Tatsachen entspricht…“ und „…Ich recherchiere mit größtmöglicher Sorgfalt und beschreibe immer nach bestem Wissen…“.


Persönlich hat es mich natürlich `absolut´ geärgert, dass dieser seriöse Mensch mit meiner überarbeiteten BR ein Geschäft machen wollte. Dass er von und über Taylor-Gitarren nichts Wesentliches wusste, war `absolut´ offensichtlich. Andererseits musste ich über die Chuzpe staunen, mit welcher `Er´ den potentiellen Käufern einen Riesenbären aufgebunden hat, ohne irgendeine Angst vor Konsequenzen.

Es sind bereits mehrere Gitarren von Baton Rouge® durch meine Hände gegangen und ich bin von der Qualität und dem Klang der älteren Serien bzw. Modelle recht angetan. Aber wäre ich Taylor Guitars® , hätte ich vielleicht meine Anwälte mal höflich nachfragen lassen, was `Er´ sich denn bei dieser, möglicherweise Image-schädigenden, Behauptung so gedacht hat. Mal abgesehen davon, dass einer der ganz großen Hersteller von Akustikgitarren im Leben nicht auf die Idee käme, eines seiner Spitzenprodukte zum lizensierten Nachbau freizugeben – alle Gitarren werden in den eigenen Werken hergestellt und mittlerweile auch selbst vertrieben – hatte Taylor noch nie von der Firma aus Tübingen gehört und würde für so eine Lappalie (vermutlich) weder Zeit noch Geld verplempern. Soviel zu den `absoluten´ Tatsachen. Dieser private Anbieter ist nach wie vor aktiv und kauft gebrauchte Gitarren bei Ebay®, um sie einige Zeit später wieder, anscheinend unverändert, einzustellen und `absolut´ mit Profit weiterzuverkaufen. Seine Angebote haben sich deutlich vermehrt, die Preisspanne auch, und alle Gitarren spielen sich „…butterweich…“. Er hat danach noch immer nicht sauber recherchiert und immer wieder mal unzutreffende Informationen verbreitet. Ähnliche private `Zwischenhändler´ finden sich einige …


Beispiel Nr. 3 …

… ist ein Anzeigentext, der mich seinerzeit auf eine Johnson JD aufmerksam machte und bei dem ich die richtigen Fragen nicht gestellt hatte …

„…Verkaufe umzugsbedingt meine tolle Gitarre von Johnson mit netten Perloid-Einlagen. Die Decke ist massiv. Die Saitenlage ist sehr gut (siehe Foto). Leider hat die Kopfplatte schon ein paar Macken, was nichts am Klang ändert, aber etwas an der Optiker, deshalb verkaufe ich sie etwas günstiger. Ich habe weiterhin für den Verkauf den Hals und die Bundstäbe gereinigt (glänzen wieder wie neu). Meiner Meinung nach ein tolles Instrument für fortgeschrittene und Einsteiger…“

JD 4

Die Gitarre stellte sich als eine Johnson JD 4 heraus, ist komplett aus Laminat gefertigt, also nix mit „…massiver…“ Decke, und die Perloid-Einlagen sind eine aufgeklebte Folie. Meine prompte Beschwerde konterte der Vorbesitzer u.a. mit der Bemerkung, er sei kein Fachmann und ich selbst schuld, ich hätte mir die Gitarre ja vorher ansehen können. Aufgrund der Entfernung war das nicht möglich, aber ihm ziemlich egal, Hauptsache das Teil war weg.


Offiziell nennt sich das „Handelsbetrug“, wenn die zugesicherten Eigenschaften einer Ware nicht zutreffen, auch wenn es sich um gebrauchte Ware innerhalb eines Privatgeschäftes handelt! Selbstverständlich gilt das erst Recht, wenn die Ware nach erfolgter Bezahlung nicht geliefert bzw. übergeben wird. Das ist mir tatsächlich ein einziges Mal passiert, und ich habe seinerzeit Anteige erstattet.

Hier habe ich auf alles Weitere verzichtet, zuviel Theater für einen vergleichsweise geringen Betrag und – ich hatte mir die Sache auch selbst eingebrockt. Mittlerweile wurde meine Sammlung um drei `richtige´ Johnsons aus der California-Series reicher, von denen eine bereits aufbereitet und verkauft ist.

Fazit …

Dies alles sind nur einige Beispiele für die offen gelebte Unwissenheit, die Dreistigkeit, die miserable Recherche und den unbedarften Umgang mit Informationen. Ob nun massive oder laminierte Decke – na ja, mein Gott,`gefühlt´ ist das, was zählt!

Es ist `absolut´ und vollkommen unerheblich, ob eine Gitarre aus den 60ern, 70ern oder auch aus Japan stammt – das sagt `absolut´ und vollkommen nichts aus und macht sie `absolut´ und vollkommen überhaupt nicht zu einem „Sammlerstück“, es sagt lediglich, sie ist alt ! Gute Instrumente waren auch damals entsprechend teuer und Modelle aus der Anfänger- und Aufsteigerklasse sind es heute vielleicht(!) wert, erhalten oder sogar „gesammelt“ zu werden – wenn das eigene Herz d’ran hängt.

Es ist genau so, wie es David Eichelbaum oben in dem Zitat formuliert – den einmal gehörten Klang einer Gitarre kann unser Gehirn nicht reproduzieren. Die Erinnerung ist es, die uns noch zur Verfügung steht, und Erinnerungen sind letztlich nichts anderes als chemische Substanzen, die in unserem Gehirn in Nervenzellen eingelagert werden. Sie unterliegen im Lauf der Zeit einer ganzen Reihe von Einflüssen und Veränderungen. Auch Erinnerungen werden von unseren Erwartungen und Emotionen beeinflusst – wie die gesamte Wahrnehmung überhaupt – und verschwimmen manchmal zur Phantasie. Der direkte Vergleich von Gitarren mit ein und denselben, und wenigstens nahezu neuen, Saiten ist das Einzige, was uns weiterhilft. Daran und an die Unterschiede können wir uns immerhin unzweifelhaft erinnern. Andernfalls muss alleine unser Ohr die Entscheidung treffen.

Als Gegenwert für die, mitunter schlicht absurden, Preisvorstellungen gibt es jede Menge echte und interessante Alternativen – anstelle von „alternativen Fakten“. Aktuelle und wertige Gebrauchtware – ohne Macken, Risse, „vintage-Flair“, „Charakter“ usw. – ist reichlich im Angebot und günstiger als eine neue Gitarre. Die wiederum hat eine Garantie und der Preisunterschied zum gebrauchten Modell muss schon spürbar sein.

Was also das Geschwafel und Gerede zum Thema Gitarre angeht – hier ist das postfaktische Zeitalter schon längst aktiv. Überall finden sich „…alternative Fakten…“ und es gibt nur ein einziges Mittel dagegen und das lässt sich heute einfacher als je zuvor anwenden – selbst recherchieren!

Stimmt so …

Weiter geht’s mit Wenn Dreistigkeit einen Namen hätte …