2. Die Decke – laminiert oder massiv?!

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Die Decke

Kommen wir zu einem allseits beliebten und häufig mit Unkenntnis behaftetem Thema. Die Preisfrage lautet: massiv oder laminiert?! Leicht zu erkennen – blicken Mann oder Frau auf den Schallochrand, schauen die beiden sozusagen ins Holz `hinein´. Folglich lassen sich entweder Maserungen oder Holzschichten (mit Fasern im Querschnitt) erkennen. Das war’s schon. Letztlich sind der Einsatzweck und das Portemonnaie maßgeblich bei der Entscheidung, ob die neue Gitarre eine laminierte oder massive Decke haben soll. Massive Decken schwingen freier, reagieren aber empfindlicher auf unterschiedliche und v.a. zu niedrige Luftfeuchtigkeit. Laminierte Decken sind da aufgrund der gesperrten Verleimung der Holzschichten weniger anfällig, entwickeln sich klangtechnisch aber nicht so, wie eine Einschichtdecke. Ungeachtet dessen habe ich mit Hilfe des TonRite® bei manchen Gitarren mit laminierten Decken erstaunliche Ergebnisse erziehlt!

Gut hinschauen! Sieben Ansichten einer laminierten Decke sollten für die Zukunft reichen …

Und so sieht der Schallochrand bei massiven Decken aus. Ebenfalls gut hinsehen!

Im Prinzip gilt, je mehr massive Hölzer in einer Gitarren verbaut sind, umso besser wird sie klingen und umso mehr wird sie im Lauf der Zeit ihren Klang entfalten – wenn das Holz aus einer guten (Wald-) Familie kommt und mit entsprechender Sorgfalt verarbeitet wird.

Es gibt inzwischen einen regelrechten Hype um die Qualitätsstufen: A-, AA- und AAA-Grade Fichtendecken ringen um die Vorherrschaft. Das hat man sich wohl bei Moody’s oder Standard & Poors abgeguckt. Dazu kommen die verschiedenen Unterarten, wie z.B. Engelmann-, Sitka-, Adirondack-, Bearclaw- oder Alpenfichte.

Engelmann und Sitka sind ganz gewöhnliche, weit verbreitete Fichtenarten. Aber eine „massive Engelmannfichtendecke“ klingt in der Beschreibung doch gleich nach ganz `was Besonderem. Ähnliches gilt für Adirondack, der amerikanischen Rotfichte. Vor dem Krieg ein mehr als gängiges Holz für massive Decken, wurde es danach immer seltener verbaut. Da es nur an der amerikanischen Nordostküste vorkommt, ist die Verfügbarkeit begrenzt und das Holz ist heute entsprechend teuer (und man kann wieder ein bißchen Voodoo darum machen). Die anderen Fichtenarten sind da viel einfacher und günstiger zu bekommen.

Hölzer wie Zeder, Rotzeder oder Mahagoni werden ebenfalls immer häufiger für Gitarrendecken verwendet. Im Großen und Ganzen steht die Fichte aber unangefochten an der Spitze.

Wenn der finanzielle Spielraum keine Luxusgitarre zulässt, ist ein Modell `nur´ mit massiver Decke allemal eine gute oder sehr gute Wahl. Es gibt zwar die eine oder andere vollmassive Gitarre unter 500-600 €, aber der klangliche Unterschied zu den teilmassiven Geschwistern in diesen Preisregionen ist nach meiner Erfahrung unerheblich, wenn die Gitarre mit Sorgfalt gebaut und nicht zusammengeschustert worden ist. Und da kann man ganz schön daneben greifen.

Auf die Feinheiten achten!

Bei der Suche nach einer guten Gebrauchten lohnt es sich, auch mal ein Blick an den Ort zu werfen, der normalerweise den Augen verborgen bleibt – das Innere, die nackte Seele sozusagen. Die Verarbeitungsqualität kann so’was von unterschiedlich ausfallen, und da wo nicht gehübscht werden kann, offenbaren sich so manche unschöne Wahrheiten, wie bei dem folgenden, australischen Modell aus chinesischer Fertigung. Es handelt sich um dieselbe Gitarre, die auch mit der miserablen Bridgeplate aufgefallen ist (Der Steg, das Stiefkind).

Eine Gitarrendecke ist in der Regel „bookmatchet“, das bedeutet, sie wird aus zwei spiegelbildlichen Hälften zusammengeleimt. Die Kanten für die mittlere Leimfuge müssen 100%ig zusammenpassen und dementsprechend exakt gearbeitet sein. Eigentlich gibt es da fertigungstechnisch auch keine besonderen Schwierigkeiten – es sei, die Produktion ist auf niedrige Kosten, Massenausstoß und somit niedrigen Endpreis ausgerichtet.

Von Außen zum Glück nicht zu sehen, fallen die schlecht angepassten Deckenhälften innen um so mehr auf. Unter dem Stückchen Mullbinde erkennt man auch, wie schlecht die Leisten des Deckenbracing an einander angepasst sind. Am oberen Schallochrand ist der kleine Spalt oberhalb der Trussrodmutter nicht zu übersehen. Desgleichen am unteren Rand, wo `man´ sich gar nicht erst die Mühe gemacht hat, die kleine Stufe zwischen den Deckenhälften anzugleichen. Wenn man sich diese Gitarre genau ansieht, findet man eine ganze Reihe von Unsauberkeiten, die nicht vorkommen sollten.

Aber irgendjemand muss sie bei irgendeiner Endkontrolle abgenommen und zum Versand freigegeben haben. Auftraggeber oder Händler waren wohl ebenfalls zufrieden, allerdings wäre sie sowohl als Neu- und auch als Gebrauchtware allerhöchstens 2. Wahl. Inzwischen habe ich sie nach entsprechender Überarbeitung weitergegeben und sie bereichert eine Gitarren-AG.

Stimmt so …