Pickguards

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Immer wieder habe ich mich darüber geärgert, dass die Plastikpickguards Schalloch-Verzierungen abdecken und z.B. Abalone- oder Holz-Einlagen nicht vollständig sichtbar sind. Manche PG’s lösen sich mit der Zeit an mehreren Stellen, werden wellig, bäumen sich auf und was sonst noch. Dann kam mir der Gedanke, die Plastikfolien umweltfreundlich zu entsorgen und durch Pendants …

aus dem Material zu ersetzen, aus dem die Gitarre selbst besteht

diese anstelle einer zähen & dämpfenden Klebeschicht als festen Bestandteil mit der Decke zu verleimen

verschiedene Formen und Innenradien zu realisieren und

… die PGs an die Verzierungen der unterschiedlichsten Modelle anzupassen

eine entsprechende Stabilität zu erreichen, ohne eine gewisse Dicke zu überschreiten

Prototypen

Die PGs bestehen aus 3 Lagen kreuz- und pressverleimtem Furnier mit einer Gesamtdicke um die 1,5 mm. Als Kleber verwende ich einen speziellen Furnierleim mit Füllstoffen, da normaler Holzleim durch das dünne Furnier schlägt.

Die Klebefläche ist hauchdünn mattlackiert, die sichtbare Oberfläche bisher matt lackiert oder gewachst. So können Spielspuren, z.B. von Plektren, wieder plangeschliffen und anschließend lackiert, gewachst oder geölt werden. Wachsen war naheliegend, hatte aber leider eine stumpfe Oberfläche zur Folge, die nicht schön aussah. Einölen, wie bei Griffbrett und Steg wäre ebenfalls naheliegend, habe ich nach der Wachserfahrung aber noch nicht ausprobiert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Klebefläche weiterhin lackiere, oder nur schleife und ansonsten unbehandelt lasse.

Die Befürchtung, die PGs würden selbst als Schwingungen hemmendes Element fungieren, hat sich nach m. E. nicht bestätigt. Einerseits werden die Schwingungen der Decke auf ein verwandtes & natürliches Material übertragen, andererseits liegt das Pickguard genau über den kreuz- und querverleimten Bracings um das Schalloch herum und gleichzeitig an der schmalsten und damit stabilsten und schwingungsärmsten Stelle des Korpus.

Angesichts der so viel- und hochgelobten `Supergitarren´ aus den 60ern und 70ern, deren knüppelharte Kunstoff-PGs mitunter eine Stärke von 2mm und mehr aufweisen (konnte ich erst kürzlich bei einer alten Landola und einer Yamaha wieder feststellen), spielt dieser Gedanke m. M. n. erst recht keine Rolle.

Schildpatt
Pickguard aus sog. Schildpatt einer USA-Harmony OM

Die Prototypen bestehen bisher aus verschiedenen Holzarten, wie Mahagoni, Zebrano, Räuchereiche, Movingui, Riegelahorn, Euro-Nussbaum oder dem rötlich schimmerndem Madagaskar-Palisander. Bubinga und Rot-Zeder warten noch auf ihren EInsatz. Die Form war zunächst die klassische mit einem Innenradius von 130 mm; passt natürlich nicht überall und ist für eine OM zu groß. Die Maserung der PGs verläuft entweder parallel zur Decke oder schräg zum Schalloch hin, was üblicherweise auch den Spielspuren entspräche. Je nach Beleuchtung oder Belichtung variiert der optische Eindruck, wie man oben bei der Garrison sehen kann.

Ich habe verschieden Furniere und Formen ausprobiert, um unterschiedlichen Modellen, Maserungen und Farbschattierungen annähernd gerecht zu werden. Die Innenradien reichen in 5mm-Schritten von 120 bis 150 mm. Damit sind alle üblichen, kreisförmigen Schallochradien abgedeckt. Das Anfertigen dauert allerdings seine Zeit. Nach dem Trocknen des Furnierleims kommt die Oberflächenbearbeitung und dann i.d.R. das Lackieren. Die ersten Prototypen sind mit schmaler Klinge handgeschnitzt. Auch das geht, quasi nur für zum Spaß, ganz gut ins Geld.

Im Folgenden sieht man die verschiedenen Prototypen und die Exemplare, die ich für einige Gitarren angefertigt habe. Die Versuchsobjekte sind auf den Gitarren nur aufgelegt und der Innenradius passt nicht unbedingt zur Größe des Schallochs, aber es ging zunächst nur darum, einen generellen Eindruck zu erhalten.

 

Ärgerlicherweise scheiterte die Restauration einer 12-saitigen GA letztlich an einer vorher nicht erkennbaren Halswelle. Viel Arbeit und auch wieder mal Geld war versenkt. Aber so konnte ich wenigstens das Pickguard einem Bruchtest unterziehen und die Klebung auf dem Korpus auf die Probe stellen. Und siehe da – das PG war nicht zu entfernen. Am Ende brach nur die Spitze ab, nachdem ich ihr mit scharfer, spitzer Klinge zu Holze rückte. Die Intention, dass das PG ein Teil der Decke werden sollte, ließ sich also nachweislich in die Tat umsetzen.

Stimmt so …