Sattel und Stegeinlage

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Wie schon an anderer Stelle erwähnt, sind Sattel & Stegeinlage zwei eminent wichtige Bauteile bei der Übertragung von Saitenschwingungen auf den Gitarrenkorpus (siehe 4. Sattel – Stegeinlage – Steg). Aus diesem Grund werden für höherwertige Instrumente auch höherwertige Materialien verwendet. Ein weit verbreitetes Material ist Knochen, das gegenüber Kunstoff klangliche Vorteile besitzt (gleichwohl ist Knochen kein Zaubermittel mit Voodoo-Geschmack). Darüber hinaus sind Sattel & Stegeinlage entscheidend für die Bespielbarkeit, weil sie die Saitenlage mitbestimmen. Entsprechend sauber und genau müssen sie gearbeitet sein.

Der Knochensattel wird üblicherweise vor der Ölung des Griffrettes angepasst. Viele der Vorgänger sind verunstaltet. Manche sind wild eingesägt oder zuerst `runtergeschmirgelt und dann wieder mit Kunstoff unterlegt, wieder andere mehr oder weniger zerbröselt. Die alten Stegeinlagen und Sättel (viele Sättel sind innen hohl!) sind entweder aufgebraucht oder aus irgendeinem Plastik – also ab in die Trophäensammlung.

Der Sattel (engl. nut)

Der neue Sattel wird so bearbeitet, dass er ohne Luft in den Winkel von Sattelbett und Griffbrettkante passt. Gibt’s keinen rechten Winkel, muss der Sattel entsprechend angefertigt werden – logisch, oder? Für den Abstand der Kerben zueinander (stringspacing) orientiere ich mich entweder am Originalsattel, oder ich erweitere den Abstand und verschaffe breiteren Fingern etwas mehr Platz. 1 bis 2 mm insgesamt können auf dem schmalen ersten Bund schon ein anderes Spielgefühl vermitteln. Nachdem die Passform vorgearbeitet ist, setze ich den Sattel erstmal nur ein, um die Sattelkerben mit Hilfe von Sattelfeilen oder -sägen auf eine provisorische Höhe zu bringen.

Sind die Kerben zu tief, kommt der Sattel nochmal `raus, um von oben Material abzunehmen.

Das Spezial-Tool hilft auch dabei, aber am Ende nehme ich immer ein Feintuning in eingebautem Zustand vor (siehe unten).

Jetzt kann der Sattel vorübergehend wieder ins Bett. Mit gestimmten Saiten und bei korrekt eingestellter Halskrümmung werden die Sattelkerben auf die endgültige Höhe gebracht. Voraussetzung ist ein sauberes und ebenes Sattelbett, was durchaus (auch werksseitig) nicht immer der Fall ist.

Anschließend muss die Oberseite des Knochensattels nachgearbeitet werden, damit die Saiten nicht in den Kerben versinken und klemmen, sondern aufliegen. Sonst geht’s auf Kosten der Intonation (Ibanez geht hier seit Jahren einen eigenen Weg). Jetzt kommt’s d’rauf an, die Sattelkerben müssen exakt gearbeitet sein. Die Saitenlage soll schön flach sein, aber zwei-drei Strich zuviel mit der Sattelfeile oder -säge, und das war’s. Die Saite schlägt auf den Bund und schnarrt.

Mit der Daumen(nagel)probe teste ich immer wieder den Saitenabstand zum entsprechenden Bund. Am Ende ist die Saitenlage auf den ersten Bünden so niedrig, dass man kaum noch von Fingerdruck beim Spielen sprechen kann. Die meisten privaten Gitarristen bevorzugen diese Einstellung. Für Zeitgenossen, die gerne in die Saiten `hacken´, muss der Abstand logischerweise größer sein.

Wenn die Sattelkerbe an der Griffbrett-Seite eine winzige Stufe hat oder minimal abfällt (z. B. durch hin- und her-Kippen der Feile), können die dünneren Saiten auf dem Bruchteil(!) eines Millimeters den Sattel berühren. Dann klingt diese Gitarrensaite wie bei einer Sitar. Dasselbe gilt übrigens auch für die Stegeinlage.

Erst wenn der Saitenabstand zum 1. Bund stimmt, wird der Sattel mit ein, zwei ganz kleinen Tröpfchen Sekundenkleber fixiert und – fertig. Jetzt sieht’s auch nach `was´aus…

Ganz nebenbei sind die polierten Bundstäbchen mit den verrundeten Bundkanten gut zu sehen. Hier stören beim Lagenwechsel keine scharfen Kanten mehr …

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Die Stegeinlage (engl. saddle)

Jetzt ist der andere Knochenrohling dran, da geht’s an die Substanz …

Manchmal ist noch ein Feintuning in eingebautem Zustand notwendig. Das bedeutet: Saite `rein, Pin d’rauf, stimmen und testen, Saite `runter, Pin `raus, feilen, Saite wieder `rein … bis für alle Saiten die maximal mögliche Oktavreinheit erreicht ist. Da die Position der Stegeinlage durch den Spalt festgelegt wird, ist der Spielraum nicht sehr groß. Nicht selten muss man sich mit einer Näherung an den Optimalzustand zufrieden geben.

Wenn das Ohr nicht trügt und die Kompensationsmaßnahme erfolgreich war, ist die Überarbeitung fast angeschlossen. Bleibt nicht mehr viel zu tun, außer abschließender Kosmetik.

Im nächsten Arbeitsschritt ist der so oft ignorierte Steg an der Reihe: Der Steg, das Stiefkind

Stimmt so …