1. Die philosophische Saite oder…was will ich eigentlich?

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Eine Bekannte, gelernte und passionierte Buchhändlerin, hat mir folgende Standardsituation erzählt. Kommt wer in die Buchhandlung – Geschlecht egal.

Frage „Kann ich Ihnen helfen?“

Antwort: „Ja, ich suche ein Buch“.

Wär‘ sie natürlich nie d’rauf gekommen.

Zweite Frage „Was für ein Buch soll es denn sein?“

Zweite Antwort: „Oh, keine Ahnung, ist für meinen Sohn“.

Andere Situation: ich stehe in der Kneipe und jemand spricht mich an:

Du, hörma! Du hast doch Ahnung von Hifi. Ich will mir ’ne Anlage kaufen, welche ist denn gut?“

Sagt ein Anderer: „Ich glaube die Sowieso oder die Dingens…“.

Dann höre ich die unvermeidliche Frage: „Und welche ist besser?“

Zweimal dasselbe Prinzip.

Nun, Ahnungen gehören in die Esoterik und der Glaube in die Kirche. Ahnung ist nichts anderes, als der verschämte Hauch von Wissen. Weiß ich aber definitiv nichts, könnte ja immerhin noch der Glaube helfen. Der unbestreitbare Vorteil dieses Verfahrens ist, ich benötige dafür nicht meinen eigenen Kopf, sondern nur den von Anderen. Einerseits denken sie für mich, andererseits glaube ich, was sie mir erzählen. Dieses Prinzip erleichtert manchem Zeitgenossen das Leben ungemein.

Nicht wenige Gitarrenanfänger oder -aufsteiger machen’s gerne in ähnlicher Form, nämlich `es´ sich einfach – indem sie irgendwo irgendwelche Personen fragen und auf das musikalische Lebensglück hoffen. Das liegt einerseits auch nahe – wir leben schließlich im Land der Experten und All- oder Besserwisser! Zu jedem Blödsinn, dem man mit etwas gesundem Menschenverstand auch alleine durchdenken könnte, werden sog. `Experten´ zu Wort gelassen. Wer auch immer die dazu gemacht hat – sie sind überall und finden anscheinend Gehör.

Problematisch wird es, wenn Frau oder Mann selbst keine `Ahnung´ hat, welchem Experten man zuerst oder am meisten glauben soll. Alle äußern sich klug und bestimmt, wissen genau wovon und worüber sie sprechen oder schreiben. Und da es so viele Experten gibt, vertreten manche durchaus gegenteilige Ansichten, und das mit Vehemenz! Da kann der wissbegierige Mensch auch schon mal ins Schleudern kommen.

Eine Begleiterscheinung dieser Praxis scheint mir das `Bedenkenträger-Phänomen´ zu sein. In den unterschiedlichsten deutschen(!) Internet-Foren trifft man auf diesen speziellen Typus. Er hat große Schwierigkeiten damit, Andere mit ihrem, soeben voller Freude und neu gewonnener Erkenntnis erfülltem, Mitteilungsbedürfnis glücklich werden zu lassen. Voller Enthusiasmus entlarvt er die soeben gelesenen Ausführungen als Unsinn oder Voodoo und lässt es sich nicht nehmen, auch noch den kleinsten, möglichen Denkfehler herauszuarbeiten. Alles, was nicht in sein Gedanken-Universum passt, gehört folglich sofort unschädlich gemacht! Dieser Typ Mitmensch scheint sein Interesse an Austausch und Diskussion in erster Linie aus dieser Gefühlslage heraus zu motivieren – und macht sich auf seine Art ebenfalls zum Experten.

Das lässt sich auch flächendeckend in unserer Gesellschaft beobachten. `Jeder´ weiß bei und für die Anderen immer bestens, wie `die´ d’rauf sind und warum bei `denen´ was los ist. Von 50 000 Leuten im Fußballstadion spielen lächerliche 22 mit dem Ball, die restlichen 49 978 sind alle Experten und die Hälfte davon ist am Ende grundsätzlich unzufrieden.

Damit komme ich zum eigentlichen Kern des Gedankens.

Unkenntnis, Unsicherheit und Unzufriedenheit lassen sich nun mal nicht weg-expertieren.

Worum es letztlich geht, ist nur eines – Verantwortung

ICH treffe eine Entscheidung,

ICH gebe Geld aus,

ICH informiere mich im Rahmen meiner Möglichkeiten,

ICH bin verantwortlich, egal, was mir die Experten empfehlen.

Ich, der Verfasser dieser Zeilen, sehe mich nicht als Experte. Ich habe Wissen, und ich habe Erfahrungen. Mein Wissen ist begrenzt, aber ich kann’s erweitern. Meine Erfahrungen sind zutreffend, aber rein subjektiv! Mein Wissen ist mitunter unzureichend, meine Erfahrungen kann ich guten Gewissens weitergeben. Für Beides habe ich lange und viel `arbeiten´ müssen und kein Mensch kann sie mir nehmen. Was andere damit machen, ist ihre Sache, was ich damit anfange, liegt ganz und gar in meiner Verantwortung.

Das bedeutet, ich kann meine Entscheidungen und mein Handeln jederzeit ver-antwort-en, also begründen und erklären! Im Nachhinein kann ich folglich nur einer einzigen Person Fehler oder Versäumnisse anlasten – mir selbst.

Liebe Gitarren-Enthusiasten, Ihr wollt eine neue oder gebrauchte Gitarre kaufen – NIEMAND wird Euch aus dieser Verantwortung entlassen !!!

Nicht bei der Informationsbeschaffung, nicht bei der Entscheidung, nicht beim Kauf. Die Verantwortung ist eines von wenigen Dingen, die Euch im Leben ganz alleine gehören.

Eine beliebte Frage lautet in etwa: „Wie sind die XY- Gitarren?“ Meine Antwort darauf wäre: „Oben lang und dünn, unten rund und dick, mit Drähten dran, machen Geräusche.“ Klare Frage, klare Antwort, oder?!

Was also wollt Ihr, liebe Anfänger und Aufsteiger, eigentlich tun? Information beschaffen, etwas in Erfahrung bringen und aufgrund der neuen Erkenntnisse eine Kaufentscheidung treffen? Oder einen Experten finden, der’s dann verbockt hat, wenn Ihr mit der gefällten Entscheidung doch irgendwie nicht zufrieden seid.

Was, wenn ein anderer Experte Euren Super-Kauf hinterher wieder `schlecht betet´? Oder Ihr habt zu einem Superschnäppchenpreis eine Gitarre gekauft, deren Qualität so gut wie die von „…sonst viel teureren…“ Gitarren ist, die Euch aber letztlich gar nicht überzeugt. Werdet Ihr dann Eure Zweifel ignorieren, denn es ist ja schließlich eine Supergitarre, mit einer Qualität, so gut wie die von… usw. usw.?!

Es gibt nur einen sinnvollen Weg. Trefft eine Wahl, fällt eine Entscheidung, gebt einen bestimmten Betrag aus – und seid damit zufrieden! Denn im Rahmen Eurer Möglichkeiten habt Ihr hoffentlich alles getan, was Euch mit Euren Mitteln möglich war. Entscheidend ist der subjektive Spaß am Spielen! Also lasst Euch vor allem nach dem Kauf nicht von irgendwelchen Besserwisser-Experten wieder verunsichern, denn vermutlich wollt ihr doch nur eines…

MUSIK machen, oder?!

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